Teil 3 oder Strafe muss sein

 

Die Frau in dem weißen Nachthemd verharrte einen Moment lang unbeweglich vor Alexandras Bett. Ihre durchscheinenden Konturen ließen sie körperlos und unwirklich aussehen, nur die Klinge des gut dreißig Zentimeter langen Fleischermessers in ihrer Hand blitzte ausgesprochen realistisch.

Alexa begann zu zittern, was nicht nur an der plötzlichen Kälte im Zimmer lag. Ängstlich rutschte sie im Bett zurück, als die Gestalt näher kam. Ein leichter Duft nach Magnolien hing in der Luft. Über dem weißen Gewand schimmerte ein herzförmiges Gesicht, das von dunklen, in altmodischen Wasserwellen an den Kopf gekleisterten Haaren eingerahmt wurde. Die Augenhöhlen starrten leer und schwarz auf ihr Opfer.

„Wie konntest du nur“, sagte die Frau mit einer zarten, melodiösen Stimme ohne die Lippen zu bewegen.

Mittlerweile pressten sich die Stäbe des Bettes schmerzhaft in Alexas Rücken. „Margaret“, stammelte sie entsetzt.

„Meine Ruhe ist dahin, aus dem Grab hast du mich geholt, du impertinentes Ding“, fuhr die Erscheinung fort.

„Aber, Margaret, ich ...“

„Schweig, Stümperin. Mein Lebenswerk zu besudeln, mich der Lächerlichkeit preiszugeben ...“

„Margaret, um Himmels Willen, es ist alles legal, ich habe einen Vertrag mit deinen  Enkeln ...“

Die Worte verhallten ungehört. Das Messer blitzte ein letztes Mal auf, ehe es sich  in Alexandras Brust bohrte.

 

Schweißüberströmt fuhr Alexa hoch. Mit zitternden Fingern griff sie nach dem Handy auf ihrem Nachtkästchen. Die Nummer ihrer Therapeutin war schon seit langem gespeichert. Beim Klang der vertrauten Stimme entspannte sie sich augenblicklich. „Hi Sharon, ich bin’s, Alexandra Ripley, ich hatte wieder diesen Traum ...“

 

© Fran Henz, 2001

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